Der Beginn

Der direkt an der Stadt vorbei fließende Fluss "Schwarzer Regen" lud schon frühzeitig die Bürger zum Baden ein. Die Unterlagen des bereits im Jahre 1916 nachweisbaren Badevereins "Freischwimmer" legen dafür ein beredtes Zeugnis ab. Mit dem „Baden“ einher ging sicher der Gedanke der Wasserrettung. Die ersten Unterlagen dafür liegen aus den Jahren 1935 und 1942 vor. Von 1935 ist ein Bild erhalten geblieben, auf dem der nachmalige langjährige Wasserwachtvorstand Hans Schwab am 27.Juli in der damaligen Badeanstalt einen Startsprung demonstriert und von 1942 stammt die Mitgliedskarte des Viechachers Franz Raith in der „Ortsgruppe Viechtach der Deutschen Lebens-Rettungsgemeinschaft e.V. Berlin“. Die laufende Nummer in der Mitgliederliste war 82. Für 1942 hat Franz Raith den Beitrag von „1 Mark“ entrichtet. In den Akten des „Badevereins“ (sie verwahrt der langjährige Wasserwachtler Hermann Popp) liegt ein Schreiben der DLRG, Bezirk Niederbayern vom 9.Dezember 1935, in dem sie die Marktgemeinde Viechtach ersucht, den Mitgliedern der DLRG-Ortsgruppe Viechtach einen ermäßigten Eintritt in die Badeanstalt zu gewähren. Die 1913 gegründete DLRG trat erst 1927 mit einem Landesverband in Bayern in Erscheinung. Bereits vorher ist der Einsatz von Rot-Kreuz-Männern belegt, die bei Hochwasser oder sonstigen Wassernöten zur Hilfe bereitstanden. Im Jahre 1908 wurde im Protokoll der ersten Tagung der Rot-Kreuz-Landesverbände in Nürnberg der Einsatz von Rot-Kreuz-Männern bei solchen Notfällen als eine Aufgabe des Roten Kreuzes bezeichnet. Nach einigen Jahren des Nebeneinanders vereinbarten die DLRG und das Deutsche Rote Kreuz 1942, dass die DLRG für die Wasserrettung und das DRK für die weitere Versorgung an Land zuständig ist. Das Ende des 2. Weltkrieges brachte ein Verbot aller Organisationen mit sich. Bereits im Juni 1945 konnte sich das Rote Kreuz in Bayern wieder sammeln. Es lag auf der Hand, das die damalige Besatzungsmacht USA dem Bayerischen Roten Kreuz auch die Aufgabe der Wasserrettung übertrug: In den Staaten liegt diese traditionell in den Händen des Roten Kreuzes. „Baywatch“ lässt grüßen. Im November schlossen sich die Kameraden von der DLRG organisatorisch der Wasserwacht an. Dadurch kam es zur Übernahme des Abzeichens der DLRG – dem bekannten „Adler auf dem Felsen“. Viele ältere Wasserwachtler werden sich noch an dieses sehr schöne Abzeichen der Wasserwacht erinnern. Die Zusammenarbeit dauerte aber nur bis 1948. In diesem Jahr beschlossen einige DLRG-Leute die Wiedergründung des Landesverbandes der DLRG. Trotz vieler Bemühungen gelang es nicht, beide Organisationen unter einem Dach zu vereinigen. 1957 prozessierte die DLRG gegen die Wasserwacht wegen der Verwendung des Abzeichens. Sie gewann und seitdem sind die neuen Abzeichen der Wasserwacht im Gebrauch. Auch in Viechtach gab es nach dem 2.Weltkrieg Überlegungen, die DLRG neu zu gründen. Das Rote Kreuz wurde aber dann doch, sicher wegen ihrer Führungspersönlichkeiten und der bereits vorhandenen Organisationsstukturen, zur „Heimat“ der Wasserwachtler.

Das Gründungsjahr 1946

In den Nachkriegsjahren hielten sich auch in Viechtach viele Heimatvertriebene auf. Darunter befand sich ein großer Anteil ehemaliger Sudetendeutscher, unter ihnen eine Familie Hering aus Kattowitz. Der Sohn Richard Hering floh aus russischer Gefangenschaft und kam 1946 nach Viechtach. Hier bekam er Arbeit im Finanzamt. Der am 18.11.1923 in Myslowitz (Oberschlesien) geborene Richard Hering war ein ausgesprochen sportlicher Mensch mit hervorragendem organisatorischem Geschick. 1940 wurde er Jugengauturnsieder des Sportgaues Oberschlesien. Sein begonnenes Studium am der Reichssportschule Berlin-Charlottenburg wurde durch die Einberufung in die Wehrmacht unterbrochen. Trotz seiner 40% Kriegsbeschädigung widmete er sich in Viechtach sofort wieder dem Sport. Er war eine Zeitlang Sportbeauftragter für den Landkreis Viechtach und spielte ab 1947 für den FC Viechtach. Als Leiter des Kreisjugendrings beschaffte er die ersten Sportgeräte für Viechtach und Ruhmannsfelden und beteiligte sich an der Widergründung des Turnvereins Viechtach. Was lag näher, als dass er mit einen ausgeprägten sportlichen und organisatorischen Eigenschaften einige Mitglieder der früheren DLRG und andere hilfsbereite Wassersportler um sich scharte und im Jahre 1946 die Wasserwacht Ortsgruppe Viechtach gründete. Die Gründung ist in einem Brief dokumentiert, den Richard Hering seinem Freund Robert Spahner übermittelte, Hermann Kaindl, auch ein Gründungsmitglied nennt als weitere Wasserwachtler der ersten Stunde in einem Brief vom 8. August 1961 an Hans Schwab. Christine Bruhn, Rolf und Horst Maurer, Hans Finster, Helmut Kohlpaintner, Helmut Grotz und Anton Niedermayer. Ausdrücklich erwähnt Hermann Kaindl: „…als oberstes Gründungsmitglied ist nicht zu vergessen Herr Richard Hering.“ Weiter führt Hermann Kaindl aus: „Ich kann mich nicht erinnern, dass es bei diesem Haufen jemals eine Gründungsversammlung gegeben hat.“ In Anbetracht der Zeitumstände ist diese Aussage verständlich.

Ausschnitt aus der Festschrift der Wasserwacht Viechtach zum 50 Jährigen Jubiläum